Inklusionskonzept des Taekwondo Team Kocer e.V.

LSB NRW – Andrea Bowinkelmann
  1. Inklusion im Sport

Über Inklusion wird momentan viel debattiert. Häufig kommt der Begriff im Rahmen der Beschulung von Kindern mit Behinderungen zu Tage. Jedoch reicht die Debatte viel weiter. Gerade im Freizeitbereich sollen die Möglichkeiten der Teilhabe erweitert und Barrieren abgebaut werden. Vor allem Menschen mit Behinderungen wird der Zugang zu sportlichen Institutionen und Vereinen noch häufig verwehrt. Zu den baulichen Barrieren (z.B. Treppen o.Ä.) kommen Ängste und Unsicherheiten der Übungsleiter, der Eltern und Erziehungsberechtigten und der Personen selbst zum Tragen. Durch Aufklärung und Weiterbildungen können diese Barrieren beseitigt werden, sodass sich der Weg hin zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Freizeit- und Leistungssport öffnen kann.

  1.       1.1.Was bedeutet Inklusion?

Der Begriff Inklusion begegnet uns heutzutage immer wieder. Vielen ist jedoch nicht klar, was er genau aussagt, sodass eine kurze Beschreibung der Begrifflichkeit notwendig wird. „Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung“ (Aktion Mensch,2015). Dies bedeutet übertragen auf den Alltag,: 

  • dass alle Menschen willkommen sind und wertgeschätzt werden,
    • dass alle Menschen zwar verschieden sind, aber die gleichen Rechte haben.
    • dass Vielfalt und Verschiedenheit als Bereicherung erlebt werden.
    • dass Andersartigkeiten akzeptiert statt diskriminiert werden.
    • dass ein Gemeinsames Lernen als Vorteil für alle gesehen wird
    • und dass Kategorisierungen von Menschen überflüssig werden (Hoffmann, 2011).

Beim Gedanken der Inklusion werden somit keine Unterschiede und Kategorisierungen zwischen Menschen verschiedener Herkunft oder Menschen mit und ohne Behinderungen gemacht. Das folgende Schaubild soll dieses näher erläutern. 

Inklusion bedeutet in diesem Zusammenhang, dass alle Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt sind und damit auch berechtigt an allen gesellschaftlichen Bereichen teilzunehmen Deutscher Behindertensportverband e.V., National Paralympic Committee Germany, 2014). Jeder Mensch wird in seiner Person so angenommen, dass eine Gesellschaft der Vielfalt entstehen kann. Auch wenn der Begriff der Inklusion meistens in der Verbindung von Menschen mit Behinderungen zu finden ist, bezieht er sich nicht nur auf diese, sondern auf alle Dimensionen der Heterogenität (z.B. Geschlecht, Religion, Alter, Sexualität usw.) (Hinz, 2009). Inklusion ist da mit eine „ […] Vision des Zusammenlebens und Zusammenhandelns von Menschen […]“ (Deutscher Behindertensportverband e.V., National Paralympic Committee Germany, 2014, S.12). Auch für den Freizeit- und Leistungssport bedeutet dies, dass jeder Mensch das Recht hat, daran teilzuhaben. Die mit der Inklusion im Sport eihergehenden Grundgedanken können durch Sportvereine weiter ausgebaut und vertreten werden. Da die größten Bedenken und ein hoher Aufklärungsbedarf jedoch weiterhin bei den Menschen mit Behinderungen liegt, wird sich diese Broschüre auf diese Gruppe fokussieren.

1.2 Rechtliche Rahmenbedingungen der Inklusion im Sport

Bereits 1994 erklärte sich Deutschland bereit, Menschen mit Behinderungen verstärkt in die Gesellschaft zu integrieren. 2006 veröffentlichte die Behindertenrechtskonvention die Vereinbarung der vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK). „Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderung zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern. Zu den Menschen mit Behinderung zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in der Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (Institut für Menschenrechte, 2006, Artikel 1).

Der Bereich des Sports findet auch hierin Berücksichtigung unter Artikel 30: Mit der Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport, setzen sich die Vertragsstaaten zum Ziel, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt an Freizeit- und Sportaktivitäten teilnehmen dürfen und von staatlicher Ebene die entsprechenden Maßnahmen zur Umsetzung getroffen werden. Dabei sollen Menschen mit Behinderungen auch ermutigt und darin gefördert werden, an sportlichen Angeboten teilzunehmen. Es wird darin nochmals betont, dass Kinder mit Behinderungen gleichberechtigt an sportlichen Aktivitäten teilhaben sollen (UN-BRK, 2006). Mit dem Unterschreiben der UN-BRK hat sich Deutschland somit verpflichtet, die Integration und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in den Freizeitsport zu fördern und auszuweiten. Es ist somit auch nicht auszuschließen, dass ein Teil dieser Verpflichtungen in Zukunft auf die Sportvereine übertragen wird.

  • Inklusion im und durch den Sportverein

2014 wurden im Deutschen Olympia Sport Bund (DOSB) 27.775.763 Verbände verzeichnet. Dies ist eine Zahl, an der sich bereits erkennen lässt, wie weit Sportvereine in Deutschland verbreitet sind (Bestandserhebung des DOSB, 2014). Menschen treten aus unterschiedlichen Gründen Sportvereinen bei. 

 „Sport in Sportvereinen bringt Menschen in Bewegung, fördert das Miteinander und die Mobilität, stärkt das Selbstbewusstsein und macht vor allem Spaß. Menschen können mehr Akzeptanz erleben und selbstsicherer in der Gesellschaft auftreten. Bewegung, Spiel und Sport leisten wichtige Beiträge zur Bildung und Gesundheitsförderung aller Menschen sowie zur Prävention und im Prozess der Rehabilitation. Dies alles steigert die Lebensqualität“ (Deutscher Behindertensportverband e.V., National Paralympic Committee Germany, 2014, S.14).

Menschen treiben Sport aus sehr unterschiedlichen Gründen. Man sucht und findet in der Bewegung/im Sport einen Ausgleich zur alltäglichen Belastung und eine Steigerung des Wohlbefindens; jeder kann Sport auf eine individuelle Weise nutzen (Kuckartz, Wortz, 2002). Eine Auflistung von Bräutigam (2002) ergibt folgende Rangordnung, warum Menschen Sport treiben: 

– 77,7% Spaß 

– 61,1% Gesundheit 

– 49,0% Leistungsfähigkeit 

– 46,6%Gemeinsamkeit 

Die Auswahl der Sportart ist somit ebenfalls abhängig von der Motivation (In: Dieckert, Ahlert, 2002). Menschen mit Behinderungen zeigen ebenso verschiedene Motive, aus denen heraus sie Sport treiben. Häufig sind ihnen die Zugangswege noch versperrt, sodass ihnen nur eine kleine Auswahl an Sportangeboten zur Verfügung steht, die sich nicht immer mit ihrer grundlegenden Motivation zum Sport treiben deckt. Ziel sollte es demnach sein, die Angebote in Sportvereinen für Menschen mit Behinderungen zu erweitern. Da Mobilität und Eigenständigkeit als zentrales Merkmal individueller Freiheit gesehen werden, erhalten sie vor allem für Menschen mit Behinderungen eine größere Bedeutung. Grundbedürfnisse des Menschen können über Bewegung und Sport erfahren und Handlungs- und Kommunikationskompetenzen erweitert werden. Indem der Mensch Erfolgserlebnisse erzielt, die der eigenen Aktivität zugrunde liegen, erfährt er einen Bestandteil von Freiheit (Kuckartz, Worms, 2002). Der Freizeitsport kann für Menschen mit Behinderungen einen Erfahrungsraum darstellen, der ihnen die Möglichkeit gibt, sich selbst als Akteur zu erleben und selbstbestimmt zu handeln, während ein großer Teil ihrer Aktivitäten sonst von Außen bestimmt wird. Der Freizeitsport muss daher ein Verständnis von Bewegung und Sport entwickeln, in dem Menschen mit Behinderungen Sportangebote aufgezeigt werden, die ihre Abhängigkeiten zu anderen Menschen nicht aufrecht erhalten, sondern die Selbstständigkeit unterstützen.

Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass Sportvereine einen wichtigen Beitrag zur Inklusion im und durch den Sport beitragen können, da sie in sich schon viel Potenzial enthalten. Somit steht eigentlich nur noch die Frage im Raum, wie dieses sinnvoll genutzt werden kann. Am Beispiel des Taekwondo soll diese Broschüre Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie Inklusion begonnen werden kann und welche Möglichkeiten der Umsetzung es gibt.

Literatur

Aktion Mensch (2015): Was ist Inklusion. Verfügbar unter: https://www.aktion-mensch.de/themen-informieren-und-diskutieren/was-ist-inklusion?et_cid=28&et_lid=86206 (19.04.2015)

Dieckert, Jürgen; Ahlert, Gerd (Hrsg.) (2002): Handbuch Freizeitsport. Schorndorf: Hofmann

Deutscher Olympischer Sport Bund (2014): Bestandserhebung 2014. Verfügbar unter: http://www.dosb.de/fileadmin/sharepoint/Materialien%20%7B82A97D74-2687-4A29-9C16-4232BAC7DC73%7D/Bestandserhebung_2014.pdf

Hinz, A. (2009). Aktuelle Erträge der Debatte um Inklusion – worin besteht der „Mehrwert“ gegenüber Integration? In Ev. Stiftung Alsterdorf & Kath. Hochschule für Sozialwesen Berlin (Hrsg.). Enabling Community. Anstöße für Politik und soziale Praxis. Hamburg-Alsterdorf.

Hoffmann, Ilka (2011): Inklusion – auch für „böse“ Jungs?. In: Zeitschrift für Inklusion-online. Verfügbar unter: http://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/102/102 (19.04.2015)

Institut für Menschenrechte (Hrsg.). (2006). Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vom 13.12.2006. Zwischen Deutschland, Liech tenstein, Österreich und der Schweiz abgestimmte Übersetzung. Zugriff am 19.04.2015 un ter http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/?id=467

Kuckartz, Ralf, Worms, Lutz (2002): Menschen mit schwerer Behinderung im Sport. In: Scheid, Volker: Facetten des Sports behinderter Menschen: pädagogische und didaktische Grundlagen, Aachen: Meyer und Meyer

Bildverzeichnis

Abbildung 1: Erläuterung Inklusion. Verfügbar unter: http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.paderborn.de%2Fmicrosite%2Finklusion%2Fimages%2FExklusion_Integration__Inklusion-01.jpg.scaled%2F463x254.pm1.bgFFFFFF.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.paderborn.de%2Fmicrosite%2Finklusion%2Findex.php&h=254&w=463&tbnid=dS1a767Bem76bM%3A&zoom=1&docid=Q8xHJwfUfTZ_CM&ei=68Y0VdCPC5Xfap3IgdgP&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=392&page=1&start=0&ndsp=12&ved=0CFEQrQMwCQ

Planung Modellvereine

 – Name des Vereins / Logo des Vereins

 – Grafik des Bundeslandes 

 – Angaben nach §26BGB

 – Vorstand / Trainer

 – Verantwortliche Ehrenamtliche

 – Mitgliederstatistik / Struktur des Vereins

 – Räumliche Strukturen

 – Regionale Strukturen

 – Inklusionsverständnis

 – Verankern in der Satzung

  • Ansatz von 3 Möglichkeiten zur Umsetzung von Inklusion in den Verein
  • Termine im Bereich Inklusive
  • Qualitätssicherung / Fortbildung
  • eigene subjektive Empfehlungen
  • Bilder / Videos / Dokumentation
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Erstellt von Sonderpädagogin Senta Neppert